Wie lange ist Wein haltbar?

Wie lange ist Wein haltbar?

Auf Weinflaschen werden Sie kein Mindesthaltbarkeitsdatum entdecken. Trotzdem hält sich Wein nicht unbegrenzt und es gibt einige Faktoren, welche eine Rolle spielen, ob und wann Wein schlecht wird. Wir verraten Ihnen auch, wie lange Sie geöffneten Wein aufbewahren und noch mit Genuss trinken können.

Welche Faktoren beeinflussen die Haltbarkeit von Wein?

Bei der Frage: Wie lange ist Wein haltbar? Spielt der Gehalt an Säure und Zucker eine große Rolle. Weine, die viel Säure enthalten, sind länger genießbar als säurearme Varianten. Die Säure im Wein kann das Wachstum von Bakterien hemmen und damit dafür sorgen, dass der Wein weniger schnell verdirbt.

Die Haltbarkeit von Weinen wird auch vom Alkoholgehalt bestimmt. Ein Federweißer bringt nur etwa fünf Volumenprozente Alkohol mit. Weißweine haben einen Alkoholgehalt von zirka 11,5 bis 14 Volumenprozenten. Ein kräftiger Rotwein kann bis zu 15 Volumenprozente Alkohol besitzen und ist damit am längsten haltbar. Da Alkohol antibakteriell ist, können Sie sich den Alkoholgehalt im Wein wie eine Art Konservierungsmittel vorstellen.

Auch der Zucker hat Einfluss auf die Haltbarkeit von Wein. Ein hoher Zuckergehalt lässt den Wein weniger schnell vergären. Die Qualität und Lagerfähigkeit von Wein wird auch durch Sulfite beeinflusst. Diese entstehen in geringen Mengen während der Fermentation und schützen Weine vor Oxidation und der Verunreinigung durch Bakterien. Besonders gut lagerfähig sind auch Weine mit einem hohen Gehalt an Gerbstoffen (Tanninen).

Warum können Weine überhaupt schlecht werden?

Es gibt einige Gründe, warum Weine an Qualität einbüßen und nicht mehr genießbar sind. Ein wichtiger Faktor dabei ist Sauerstoff. Kommt der Wein mit Sauerstoff in Kontakt, wird eine chemische Reaktion ausgelöst. Dabei gehen Fruchtigkeit und Frische verloren. Durch falsche Lagerung und trockener oder undichter Korken kann Sauerstoff auch geschlossene Weine angreifen.

Wenn Wein am Lagerort extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, kann er kippen. Davon spricht man, wenn der Wein durch hohe Temperaturen extrem schnell altert oder durch einen Kälteschock beginnt, Kristalle zu bilden.

Durch die Einwirkung von UV-Licht können Weine einen sogenannten Lichtgeschmack entwickeln. Am häufigsten davon betroffen sind Weiß- oder Roséweine. Bei diesen Weinsorten ist die Konzentration an Phenolen eher gering. Diese Verbindungen wirken wie ein natürliches Lichtschutzmittel. Rotweine besitzen mehr Phenole und sind daher weniger von Schäden durch Lichteinwirkung betroffen.

Wird Wein zu trocken gelagert, trocknet der Korken aus und beginnt zu schrumpfen. Dadurch kann leicht Sauerstoff in die Flasche eindringen. In feuchter Umgebung ist die Wahrscheinlichkeit von Schimmelbildung und Bakterienwachstum hoch.

Natürlich kann Wein auch schlecht werden, weil seine beste Trinkreife überschritten und er einfach in die Jahre gekommen ist.

Wie lange ist Wein haltbar – ungeöffnet?

Grundsätzlich können Sie Rotweine länger lagern als Weißweine. Ein weißer Süßwein ist zucker- und säurereich und häufig über 50 Jahre lagerfähig. Generell  sollten Sie Qualitätsweine nicht zu lange lagern. Die beste Trinkreife haben diese Weine in der Regel nach ein bis drei Jahren erreicht. Weine mit einem hohen Säuregehalt lassen sich fünf bis sechs Jahre lagern. Einen Kabinettwein können Sie bis zu zwei Jahre aufbewahren. Haben Sie sich für einen sortenreinen Riesling entschieden, liegt die Lagerfähigkeit bei etwa vier Jahren.  

Ein kleiner Überblick über die Haltbarkeit ungeöffneter Weine:

Rotwein

  • Fruchtig: ein bis zwei Jahre
  • Kräftig und körperreich: zwei bis zehn Jahre 

Weißwein

  • Frisch und fruchtig: ein Jahr
  • Vollmundig: ein bis fünf Jahre 

Roséwein

  • ein bis zwei Jahre

Süßwein

  • drei bis zehn Jahre 

Wie lange ist Wein haltbar – geöffnet?

Haben Sie eine Flasche Wein geöffnet, sie aber nicht ausgetrunken, gehört sie in den Kühlschrank und sollte gut verschlossen werden. Neben Korken oder Schraubverschluss lassen sich auch spezielle Stopfen mit Vakuumpumpe nutzen. In der Regel sollten geöffnete Weinflaschen innerhalb von fünf Tagen verbraucht werden.

Wie lange hält sich Weißwein geöffnet?

 

Bei der Haltbarkeit offener Weine spielt auch die Weinart eine Rolle. Leichte Weiß- oder Roséweine kommen während der Herstellung mit wenig Sauerstoff in Kontakt. Dadurch wird die Haltbarkeit im Kühlschrank verlängert. Sie können den Wein auch nach zehn Tagen noch trinken, müssen aber damit rechnen, dass der Fruchtgeschmack durch die fortschreitende Oxidation abnimmt.

Wie lange können geöffnete Rotweine im Kühlschrank aufbewahrt werden?

Am längsten lassen sich kräftige Rotweine mit viel Säure und Tanninen aufbewahren. Diese können auch nach 14 Tagen im Kühlschrank noch getrunken werden. Leichte Rotweine sollten Sie nach spätestens einer Woche ausgetrunken haben. Wichtig ist auch, den Wein vor dem Servieren etwa eine halbe Stunde früher aus dem Kühlschrank zu nehmen, damit er seine optimale Trinktemperatur erreicht.

Wie lange halten sich offene Schaumweine?

Sekt, Champagner oder Prosecco sollten Sie nicht länger als drei Tage im Kühlschrank lagern. Benutzen Sie spezielle Sektverschlüsse, damit die Kohlensäure nicht entweichen kann. Am längsten halten  sich Sekt und Champagner, die durch Flaschengärung hergestellt werden und viel Kohlensäure enthalten.     

Stefan Ruppert

Über den Autor

Stefan Ruppert

Inhaber und Winzer, Weingut Ruppert

Stefan Ruppert führt das Weingut Ruppert in Hammelburg seit 2017 gemeinsam mit seinem Bruder Matthias. Seine Winzerlehre an der Städtischen Weinkellerei Schloss Saaleck schloss er als Jahrgangsbester ab, danach folgte die Technikerschule für Weinbau und Kellerwirtschaft in Veitshöchheim. Erfahrung sammelte er in Baden, in Österreich und bei Framingham in Neuseeland, bevor er elf Jahre als Weinbautechniker im Weingut Baldauf arbeitete. Sein Thema ist Frankenwein aus biologischem Anbau, direkt vom Winzer.

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