Handlese im steilen Weinberg des Weinguts Ruppert bei Hammelburg

Weinlese: Wann der richtige Moment im Weinberg gekommen ist

Der Herbst ist eine bedeutende Zeit für den Winzer, denn mit dem Start der Weinlese beginnt ein neues Kapitel im Winzerjahr. Ist der Moment der Weinlese gekommen, werden die reifen Trauben geerntet. Der genaue Zeitpunkt bestimmt maßgeblich, wie viel Zucker und Säure der fertige Wein enthält und wie sich der Rebensaft in Charakter, Qualität und Geschmack präsentiert. Von den Winzern sind Erfahrung und Sachkenntnis gefordert. Wer das richtige Timing verpasst, kann sich schnell um die Früchte seiner Arbeit bringen.

Wann beginnt die Weinlese?

In Frankreich warten die Weinbauern gespannt auf den „Ban de Vendange“, den offiziellen Startschuss für die Traubenernte. Für die Winzer in Deutschland und den meisten anderen Ländern gibt es kein festes Datum für die Weinlese.

Mit der Ernte begonnen wird, wenn die Trauben ihren Reifegrad erreicht haben. Der Zeitpunkt für die Weinlese ist kein Zufall, sondern auf verschiedene Arten messbar. Der Winzer nimmt ein Refraktometer zur Hand und bestimmt damit den Zuckergehalt der Beeren. Einige Beeren wandern vor der Weinlese bereits in den Weinkeller, um dort deren Säuregehalt und pH-Wert zu bestimmen. Natürlich entwickelt jeder Winzer eigene Erfahrungen und merkt letztlich, ob die Ernte der Trauben beginnen kann oder die Traubenkerne einfach noch zu grün schmecken.

Die Weinlese startet in der Regel Ende August. Zunächst sind mit Müller-Thurgau, Bacchus oder Frühburgunder die frühreifen Rebsorten an der Reihe. Auch die Trauben für Federweißer und Grundweine für Sekt können beizeiten gelesen werden. Im September folgen mittelfrühe Sorten. Riesling oder Lemberger gehören zu den spätreifenden Trauben, die im Oktober geerntet werden und damit den Abschluss der Weinlese bilden.

Öchsle, Säure, Reife. Woran der Winzer den Zeitpunkt festmacht

Wann die Weinlese beginnt, erkennt der Winzer an der Messung des Zuckergehalts, der Entnahme von Proben im Weinberg oder der regelmäßigen Kontrolle von Säuregehalt, Beerenhaut und Kernreife.

Der Begriff Öchsle ist jedem Weinbauern bekannt. Der Oechslegrad ist die Maßeinheit für das Gewicht des Traubenmosts. Genauer wird mit Öchsle angegeben, wie viel Liter der unvergorene Traubensaft bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius gegenüber der gleichen Menge reinem Wasser auf die Waage bringt. Ein Grad Oechsle entspricht dabei einem Gramm Mehrgewicht pro Liter. Die Einheit hat ihren Namen von ihrem Erfinder, dem Apotheker Ferdinand Oechsle bekommen.

Für das Mehrgewicht des Traubensaftes ist in erster Linie der gelöste Zucker verantwortlich. Umso höher der Oechslegrad, umso mehr Zucker ist enthalten. Die Winzer können damit vor der Weinlese einfach überprüfen, wie reif die Trauben sind. Da der Zucker während der Gärung in Alkohol umgewandelt wird, gibt der Oechslegrad auch einen Hinweis auf den möglichen Alkoholgehalt des späteren Weins.

In südlicheren Weinländern wird sich bei der Frage: Wann ist Weinlese? Häufig am Säurewert der Trauben orientiert. Weinbauern in Deutschland schauen dagegen auf den Zuckergehalt. Das in Grad Oechsle angegebene Mostgewicht entscheidet mit darüber, ob letztlich ein Kabinett, eine Spätlese oder eine Beerenlese im Glas landet.

Die physiologische Reife der Trauben ist ein wichtiges Kriterium. Darunter versteht man ein optimales Verhältnis zwischen Mostgewicht und Säure. Damit ausreichend Aromen freigesetzt werden, müssen Kerne und Beerenhaut weich sein. Der Zeitpunkt der Weinlese ist gekommen, wenn sich Kerne und Stiele der Trauben braun verfärben und die Handlese von Wein einfach vonstattengeht, da sich die Trauben problemlos von den Rebstöcken lösen.

Anhand des Oechslegrades werden Weine in Qualitätspyramiden eingestuft. Der Anspruch an die physiologische Reife steigt dabei mit jeder Stufe. Die Basis bilden Gutsweine. Die Trauben hierfür werden häufig früh gelesen. Das Ergebnis sind leichte und frische Weine. Für die Herstellung von Qualitätsweinen erfolgt eine strengere Selektion. Die Trauben müssen vor der Weinlese vollständig ausgereift sein, ansonsten fehlt es den daraus hergestellten Weinen an Tiefe.

An der Spitze der Qualitätspyramide stehen Prädikatsweine aus ersten Lagen. Verwendet werden ausschließlich vollreife und speziell selektierte Trauben. Die Handlese von Wein kann Qualität und Reifepotenzial der Trauben sicherstellen.

Handlese oder Maschine

Wie sich der Ablauf der Weinlese gestaltet, hängt von der Lage des Weinberges, vom Budget und vom Qualitätsanspruch der Winzer ab. Zur Wahl stehen Maschinenlese und Handlese. Bei der Maschinenlese kommen Traubenvollernter zum Einsatz. Die Weinlese geht schnell und lässt sich kostengünstig abwickeln. Große Rebflächen lassen sich innerhalb kürzester Zeit abernten. Der Nachteil dieser Methode: Maschinen selektieren nicht und es können beschädigte und unreife Trauben mitgerissen werden. Eine manuelle Nachbereitung ist hier oftmals nötig, um die Qualität der Trauben zu sichern.

Wir bei Ruppert bewirtschaften kleinere und sehr steile Weinberge, wie das Ofenthal, eine unserer traditionsreichsten Premiumlagen. Die Maschinenlese stößt an Steillagen an ihre Grenzen. Wir setzen bei der Weinlese auf viele helfende Hände. Die Trauben werden im Herbst ausschließlich in Handarbeit gelesen. Wir ernten unsere Trauben nach alter Methode. Bei der Handlese von Wein kommt die Schere zum Einsatz. Für unseren Gewürztraminer oder Silvaner werden nur saftige und gesunde Trauben verwendet. Faule Beeren werden an Ort und Stelle aussortiert. Unreife Früchte bleiben am Stock. Durch die besondere Sorgfalt bei der Handlese sichern wir die hohe Qualität des Lesegutes.

Was danach passiert

Sicher interessiert Sie der Weinlese-Ablauf als Ganzes. Sind die Trauben nach der Weinlese im Weinkeller angekommen, werden sie entrappt. Dies bedeutet: Wir trennen die Trauben von den Stielen. Anschließend werden die Trauben gemaischt und gepresst. Daraus entsteht der Most. Während der Gärung verwandelt Hefe den Fruchtzucker in Alkohol. Dieser Prozess dauert mehrere Wochen. Die Reife des jungen Weins erfolgt in Edelstahltanks oder Holzfässern. Nach der Filtration wird der Wein in Flaschen abgefüllt. Wenn Sie sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen möchten, können wir Ihnen unseren Artikel „Wie entsteht unser Wein“ als Lektüre empfehlen.

Nach der Weinlese ist die Arbeit im Weinberg noch nicht abgeschlossen. Im Herbst verlieren die Rebstöcke ihr Laub. Die Reben ziehen die Nährstoffe zurück in den Stamm. Aufgabe des Winzers ist es, im Spätherbst oder Winter die alten Triebe zurückzuschneiden. Damit wird die Grundlage für das Wachstum der Reben im kommenden Winzerjahr gelegt.

Die Weinlese im Herbst verspricht Spannung im Weinberg. Wenn der Weinbauer alles richtig macht, belohnt er die Arbeit der vergangenen Monate mit einem guten Jahrgang. Der Hammelburger Heroldsberg ist bekannt für seine charakterstarken Lagenweine. Das Ofenthal zählt zu den wärmsten Weinlagen in Franken. Im Hammelburger Trautlestal reifen Weiß- und Rotweine, welche die Mineralik des Bodens in sich tragen. Machen Sie sich mit unserem Angebot vertraut. Dort finden Sie frische und unkomplizierte Alltagsweine, charaktervolle Tropfen für besondere Gelegenheiten oder Hochprozentiges aus unserer „Schatzkammer“.

Stefan Ruppert

Über den Autor

Stefan Ruppert

Inhaber und Winzer, Weingut Ruppert

Stefan Ruppert führt das Weingut Ruppert in Hammelburg seit 2017 gemeinsam mit seinem Bruder Matthias. Seine Winzerlehre an der Städtischen Weinkellerei Schloss Saaleck schloss er als Jahrgangsbester ab, danach folgte die Technikerschule für Weinbau und Kellerwirtschaft in Veitshöchheim. Erfahrung sammelte er in Baden, in Österreich und bei Framingham in Neuseeland, bevor er elf Jahre als Weinbautechniker im Weingut Baldauf arbeitete. Sein Thema ist Frankenwein aus biologischem Anbau, direkt vom Winzer.

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